| Discographie |
| 2005 | "Im Augenblick" (SPV) |
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"Im Augenblick" buy from Amazon.de So heißt mein neues Album. Es enthält 13 Songs aus den vergangenen 21 Jahren und einen neuen Song, ein Duett mit dem Berliner Sänger und Songschreiber Danny Dziuk. Ich habe mich zu diesem Album entschlossen, weil ich durch meine ständigen Live-Auftritte, die ich fast das ganze Jahr über spiele, die Erfahrung mache, daß das Publikum viele Songs aus meinem Repertoire wirklich liebt. Und ich singe sie gerne. Nicht als Erinnerung an irgendeine Phase, sondern weil der größte Teil meiner Songs zeitlos ist. Das liegt sicher daran, daß es bei mir textlich weder Schnellschüsse oder Kompromisse noch modische Gags gibt. Was ist langweiliger als die Mode von gestern? Ich brauche sehr lange für meine Texte, weil sie wirklich durchgearbeitet und essentiell sind. Sie sind einerseits wie Grundrisse, in denen die Hörer dann selbst wohnen. Andererseits funktionieren sie häufig wie Filme, in die man mühelos einsteigen kann. Musikalisch habe ich immer sehr sorgfältig darauf geachtet, daß abge-sehen vom Arrangement eine wirklich gute Komposition dasteht. Das bedeutet, eine gute Melodie und harmonisch Vielfältigkeit und Über-raschungen. Die Wahl der Komponisten war häufig schwierig, da viele Leute hinter Arrangement und Effekten eine ausgesprochen dürftige Musik verstecken. Solche Songs überstehen kaum ein Jahr. In den letzten Jahren kamen immer wieder junge Kollegen auf mich zu, die meine Songs für sich entdeckt haben und sie als völlig gegenwärtig empfinden. Ebenso wie der junge Teil meines Publikums. Die Arrangements der Songs, die wir spielen, verändern wir natürlich im Laufe der Zeit zum Teil sehr stark. Meine erste Veröffentlichung liegt 27 Jahre zurück. Etliche meiner alten Platten sind nicht mehr zu be-kommen. Dafür geistern (wie in der Industrie üblich) zum Teil sehr seltsame Best-of-Kompilationen durch den Handel. Je nach Rechte-inhaberei werden häufig wahllos alte Songs zusammengekoppelt und unter merkwürdigen Titeln mit irgendwelchen Ausschussfotos auf den Covern veröffentlicht. Es ist offenbar auch unüblich, die Künstler darüber zu informieren. Bei Künstlern, die nur kurze Zeit im Geschäft waren oder sich zur Ruhe gesetzt haben, mag das ein gangbarer Weg sein; aber meiner Arbeit, meinen Songs wird das nicht gerecht. Also habe ich eine persönliche Auswahl von 13 bereits veröffentlichten und einem neuen Song getroffen. Und Ingo York, mit dem ich in den vergangenen Jahren am Intensivsten zusammengearbeitet habe, hat im wesentlichen die Arrangements geschrieben. Als Team haben er, ich und Stefan Fischer, ein alter Freund, der meine Musik immer mochte, dieses Album produziert. Wir haben 4 Monate mit diesem Album verbracht, die ich sehr genossen habe, in dem sicheren Gefühl, daß wir weder Vergangenheit dokumentieren noch Rückschau halten. Sondern, daß diese Songs genau da sind, wo ich auch am liebsten bin... Im Augenblick. ULLA MEINECKE: Im Augenblick - Die Songs Frau nach Mitternacht (erstmalig erschienen auf dem Album "Löwen", 1991) Ein textlich hintersinniges Stück. Eine Fantasiegestalt nimmt Form und Stimme an und konfrontiert den Schlaflosen mit seinen eigenen Wünschen. Die Geschichte funktioniert nach dem alten Satz: Bedenke deine Wünsche, sie könnten die erfüllt werden. Musikalisch finde ich den Song hinreißend und die leicht rohe Gitarre, die ihn führt, betont das suggestive und unabweisliche an der Szene. Feuer unterm Eis (erstmalig erschienen auf dem Album "Wenn schon nicht für immer...", 1983) Ein offensichtlicher Lieblingssong großer Teile des Publikums. Wann immer ich ihn zeitweise aus meinen Live-Programmen genommen habe, fragten die Leute nach ihm. Der Zauber dieses Anfangs einer Liebe aktiviert offenbar beim Publikum den Wunsch nach solchem Erlebnis oder die gehütete Erinnerung daran. Diesmal haben wir ihn nicht als Duett aufgenommen; eine neue Strophe, die nach der Erstveröffentlichung dazu kam, das sehr akustische Arrangement und eine zarte gesummte hohe Stimme von Anete Humpe verstärken die Wärme und Intensität der Geschichte. Herwig Mitteregger, der Komponist des Songs, hat aus dem fernen Spanien, wo er lebt, eine Schlagzeugspur beigesteuert, die wir eingefügt haben. Tiere (erstmalig erschienen auf dem Album "An!", 1994) Einer meiner absoluten Favoriten. Dieses Stück ist meiner Seele sehr nah. Seit meiner Kindheit träume ich immer wieder von Tieren und im Wachzustand gehört es zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, sie anzuschauen. Die neue Fassung verstärkt die Tranceartigkeit und Klarheit der Bilder. Ein grosses Herz (erstmalig erschienen auf dem Album "Erst mal gucken - dann mal sehen", 1988) Ein Song, den ich jemandem zum Trost geschrieben habe. Einen Mann zu trösten, ist nämlich schwer bis unmöglich. Deshalb habe ich diesen Text zu der wunderschönen Komposition von Maurenbrecher geschrieben. Das neue Gitarrenarrangement (akustische und verzerrte Halbresonanz-Gitarre) verstärkt das Sehnsüchtige und Tröstliche an dem Stück, ohne, daß Süßlichkeit aufkommt. Tierfilmer (erstmalig erschienen auf dem Album "Die Luft ist rein", 2002) Einer meiner Lieblingssongs von "Die Luft ist rein". Der afrikanische Chor ist viel stärker betont und macht daraus fast ein Duett auf zwei stimmlichen Ebenen. Auch hier führen die Gitarren. Wenn 2 zueinander passen Ein neues Stück. Das Duett mit Danny Dziuk, den ich als Songschreiber und Kollegen verehre. Ich finde den Song großartig, der Text beschreibt eine nahezu ideale Liebe - und wer möchte die nicht? Die Aufnahme war abenteuerlich und hat großen Spaß gemacht. Da wir beide Solisten sind, war das eine ganz neue Erfahrung. Wir haben uns entschieden, den ganzen Song quasi mit zusammengesteckten Köpfen ganz durchzusingen, statt uns bei den Strophen einfach abzuwechseln. Ich finde, daß unsere Stimmen sehr gut zusammen passen. Gut Nacht (erstmalig erschienen auf dem Album "An!", 1994) Das rohste und rockigste Stück der Platte. Ich hatte den Wunsch, es mit Leeman (der es auch komponiert hat) zusammen aufzunehmen. Er spielt eine Rickenbacker, ich singe. Dieser unverwechselbare "Ricke"-Sound, den die Beatles häufig benutzten (Harrison liebte diese Gitarren), gibt der Nummer den nötigen Alarm. Der Text ist hart und lakonisch und beschreibt die Art von Familienleben, die man braucht wie ein Loch im Kopf. Die übrigen Instrumente haben unsere Atmoshäre aufgenommen und verstärkt. In Berlin (erstmalig erschienen auf dem Album "Die Luft ist rein", 2002) Ich liebe dieses Stück, wie ich diese Stadt liebe. Der neue Zwischenteil verstärkt das Gefühl von Weite. Dieses Arrangement hat sich durch das viele Live-Spielen entwickelt. Ingo York hat den Zwischenteil aus einem seiner eigenen Songs beigesteuert. Alles schäumt (erstmalig erschienen auf dem Album "An!", 1994) Ein Stück, dem die Zeit entgegenläuft. Was der Text erzählt, hat sich in den letzten 10 Jahren noch verstärkt. Der Groove treibt in seiner Härte und Strenge den Song in seiner hohen Intensität. Süsse Sünden (erstmalig erschienen auf dem Album "Wenn schon nicht für immer...", 1983) Meine verstorbene Pianistin Rosa Precht hat den Song komponiert. Ich mag die Geschichte sehr, die der Text erzählt, hatte aber 1983 mit dem Stück Schwierigkeiten. Das leicht reggaehafte 6/8-telnde Arrangement von damals lag nicht wirklich auf meiner Geschmackslinie. Eine tolle Alternative fiel mir aber auch nicht ein, deshalb blieb es so. Das neue Arrangement macht es zu einem meiner Favoriten: ich bin sehr froh darüber, wie der Song jetzt dasteht. Lieb ich Dich zu leise (erstmalig erschienen auf dem Album "Erst mal gucken - dann mal sehen", 1988) Der Song ist ein definitiver Publikumsliebling und meiner auch. Als ich mit dieser Komposition des Schauspielers Martin Schneider ins Studio kam, verzog der eine oder andere Musiker etwas herablassend das Gesicht und man versuchte, mich davon zu überzeugen, daß die Komposition doch wohl "etwas schlicht" sei. Es sollte daran herumgeändert werden, was ich überhaupt nicht verstand. Mein damaliger Produzent Udo Arndt sprach ein Machtwort: "Wenn Ulla den Song so toll findet, dann wird er auch so un-verändert aufgenommen". Das neue Arrangement finde ich schöner als das leicht artifizielle der ersten Fassung. Gewitter (erstmalig erschienen auf dem Album "Der Stolz italienischer Frauen", 1985) In der Originalfassung gab es einen Groovewechsel, den sich der Komponist und Schlagzeuger Chris Evans ausgedacht hatte, der für meinen Geschmack das Stück etwas sperrig machte. Im neuen Arrange- ment klingt es genau so wie ich es am schönsten finde. Es macht so viel mehr Spaß, den Song zu singen. Schlendern ist Luxus (erstmalig erschienen auf dem Album "Erst mal gucken - dann mal sehen", 1988) Edo Zanki, einer meiner Lieblingskomponisten, hat die Musik geschrieben. Wie viele seiner Songs, ist auch dieser Zeitlos - 19 Jahre alt und könnte auch letzte Woche so geschrieben worden sein. Auch hier macht das neue Arrangement mit den führenden Gitarren den Song unmittelbarer und der Film ist klar zu sehen. Die Tänzerin (erstmalig erschienen auf dem Album "Wenn schon nicht für immer...", 1983) Diese Komposition auf meinen Text, den Edo sich aus mehreren herausgesucht hatte, entstand an einem Frühlingsnachmittag 1983, während ich in der Dorfpizzeria in Karlsdorf (Edos Wohnort) mit seinem Bruder essen war. Ich habe mit vielen Komponisten gearbeitet und jeder ist anders, arbeitet anders, hat seine Eigenart, um etwas Schönes zu schaffen. Ich war bereits vier Tage in Karlsdorf, und wie es seine Art ist, umschlich Edo die Aufgabe. So einen Künstler darf man nicht drängen. In ihm wachsen die Dinge quasi heimlich und dann kommt der Moment, in dem er zuschlägt. Das geht dann schnell und er möchte dabei unbeobachtet sein. Ich habe die Kassette (ja, damals nahm man ein Demo noch auf Kassette auf...) geschnappt und bin am gleichen Tag zurück nach Berlin gefahren, mit dem glücklichen Gefühl, etwas ganz besonderes im Gepäck zu haben. Dieser Song hat mir viele Türen geöffnet. Einige Leute haben sich inzwischen an Coverversionen des Songs versucht. Von mir selbst gibt es eine englischsprachige Modern Country-Version, die ich sehr gerne singe. Jetzt besuchte Edo mich, ein altes Fender Rhodes mit Verstärker, dessen Rauschen man hört, stand im Studio. Wir hatten keinen Plan und es kam ganz natürlich, daß wir beide neugierig darauf waren, wie es sich nach 21 Jahren anfühlen würde, den Song noch einmal zu zweit aufzunehmen. Diesmal gab es keine billige Rhythmus-maschine, die Edo damals zu Demozwecken angeschaltet hatte und die ich charmant fand. Es war auch seine Idee, das mit Stimme und Körper-percussion zu machen. Diese Neuaufnahme macht mich froh. Sie hat alles, was der Song ist, und unsere gemeinsame Geschichte ist hörbar. |